„Wir sehen weiterhin ein starkes Interesse an Brandenburg“

Sebastian Saule, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB), ist trotz internationaler Turbulenzen zuversichtlich für den  Wirtschaftsstandort. Was dafür spricht und wie die WFBB die Unternehmen unterstützen kann, sagt er im Interview.

Herr Saule, die Energiekosten für Unternehmen gehen derzeit durch die Decke. Im Herbst wird sich die Situation nochmals verschärfen. Wie kann die Energieagentur der WFBB bei der Bewältigung der gegenwärtigen Lage unterstützen?

Sebastian Saule: Die Mitarbeiter der Energieagentur beraten seit über 20 Jahren Unternehmen und Kommunen zu den Themen Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energien. Das sind zwei zentrale Instrumente, um steigende Energiekosten und sich abzeichnende Engpässe abzufedern. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind Ingenieure, die auch tiefer in die Materie einsteigen können.

Grundsätzlich reicht unser Angebot von einfachen Tipps zu Energie-Einsparmaßnahmen über Konzepte zum Einsatz erneuerbarer Energien bis hin zur Einführung von Energiemanagementsystemen. Mit der ISO-Norm 50005 haben insbesondere kleine und mittlere Unternehmen ein neues, gutes Werkzeug zur Hand, um solche Managementsysteme im eigenen Betrieb umzusetzen und so letztlich Kosten zu sparen.

Registrieren Sie derzeit einen Anstieg an Anfragen?

Sebastian Saule: Ganz klar ja. Der Bedarf an Beratungen steigt. Das gilt für Unternehmen und für Kommunen. Derzeit verzeichnen wir hohe Zugriffszahlen auf den  Solaratlas Brandenburg (www.solaratlas-brandenburg.de), den wir im Auftrag des Energieministeriums betreiben. Das Onlinetool, das wir im April gestartet haben, berechnet die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen auf den eigenen Flächen. Man sieht, was die Installation der Anlagen kostet, wann sie sich amortisiert. Die einzelnen Parameter wie zum Beispiel den Strompreis kann man verändern und so verschiedene Szenarien darstellen. Mehr als 1.300 Zugriffe pro Tag registriert das Portal. Tendenz steigend. Das zeigt, dass Photovoltaik immer bedeutender wird im Energiemix der Zukunft.

Helfen Sie Unternehmen auch bei der Antragstellung?

Sebastian Saule: Beim Thema Solarenergie braucht es in den wenigsten Fällen eine Genehmigung. Das geht heute mit viel weniger Aufwand. Wir können niemandem den Antrag schreiben, unterstützen aber, wo wir können. Was die Förderung anbelangt, da befinden wir uns im Moment zwischen zwei EU-Förderperioden. Der RENplus-Topf ist ausgeschöpft. Die neue Richtlinie ist noch nicht am Start. Das sollte aber niemanden davon abhalten, über den Einsatz Erneuerbarer nachzudenken. Mit steigenden Energiekosten sinkt die Amortisationszeit und die Anlagen rechnen sich recht schnell.

Machen Sie sich angesichts der geopolitischen Lage Sorgen um den Wirtschaftsstandort Brandenburg?

Sebastian Saule: Nein, wir bleiben zuversichtlich. Die gegenwärtige Lage ist eine große Herausforderung, unbestritten. Wir alle, also die WFBB, die Kammern, die Verbände und Versorger sind in der Energieallianz an den Themen dran. Einfache Lösungen gibt es nicht.  Da sind wir alle gefordert. Wir aber gehen davon aus, dass das Brandenburg mittelfristig sogar eher in die Karten spielt.

Wie meinen Sie das?

Sebastian Saule: Unser Standort entwickelt sich zunehmend zum Vorreiter der Energie- und Mobilitätswende. Das sorgt auch international für reichlich Furore.  Da geht es nicht nur um Tesla. Dazu zählen viele Unternehmen in der gesamten Wertschöpfungskette, die bereits in Brandenburg tätig sind oder nach Brandenburg kommen wollen. Unser Land ist ein Standort, den nicht nur immer mehr Unternehmen auf dem Schirm haben, sondern es ist auch ein Standort, für den sich auch zunehmend Fachkräfte interessieren. In dem Zusammenhang ist die Hochschuldichte von Brandenburg und Berlin für uns eine große Chance. Wir sind da sehr zuversichtlich, dass wir künftig viel mehr Fachkräfte in Brandenburg halten und anlocken können, als in der Vergangenheit.

Wir werden demnächst eine große Fachkräftestudie erarbeiten, in der es um alle Berufsbilder geht, die für die Energie- und Mobilitätswende nötig sind. Da werden wir sehr schnell sehen, dass wir den Blick weiten müssen. Dass es nicht nur die „typischen, traditionellen“ Berufe sind, die gleich auf der Hand liegen, sondern dass es weit darüber hinausgeht.

An der Verfügbarkeit von Fachkräften wird sich die Zukunft Brandenburgs entscheiden. Wir brauchen Zuwanderung. Aus Deutschland, Europa und der Welt. Wie kann die WFBB bei der Anwerbung unterstützen?

Sebastian Saule: Das Thema der internationalen Ansprache von Fachkräften ist ein dickes Brett. Da ist in der Vergangenheit schon viel versucht worden. Fakt ist: Nirgendwo auf der Welt stehen Menschen Schlange, um nach Brandenburg zu kommen. Das muss uns klar sein.

Wir haben einen International Talent Desk aufgebaut, der Unternehmen dabei berät, wie sie Fach- und Arbeitskräfte aus Drittstaaten gewinnen und integrieren können. Er informiert über arbeits- und aufenthaltsrechtliche Fragen, erforderliche Verfahrensschritte und die zuständigen Stellen. Außerdem werden die Unternehmen zur erfolgreichen Integration der neuen internationalen Beschäftigten beraten.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sagte einmal, dass wir die Angel viel weiter auswerfen müssen, um internationale Arbeitskräfte anzuwerben. Fachkräftegewinnung – das wissen die Kammern am besten – ist Kärrnerarbeit. Kurzfristig wird der Mangel nicht zu beheben sein.

Sie sagten vorhin, dass Sie zuversichtlich sind für den Standort Brandenburg. Woran machen Sie das noch fest?

Sebastian Saule: Das Interesse von Investoren an Brandenburg ist ungebrochen hoch. Wir haben nach wie vor ein deutlich höheres Anfragevolumen als vor Corona. Wir merken an der Stelle keine Veränderungen durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Das stimmt uns optimistisch, auch wenn wir verzeichnen, dass Projekte nicht mehr ganz so schnell vorangetrieben werden. Ansonsten sind wir sehr zuversichtlich, dass es keine gravierenden Einschnitte eben wird.

Beim Thema Batterien ist in den letzten Monaten viel passiert, wenn wir an Investitionen oder Ansiedlungen von BASF, Rock Tech usw. denken. Wo stehen wir da im Vergleich zu anderen Standorten?

Sebastian Saule: Was uns ausmacht, ist die Geschlossenheit der Wertschöpfungskette. Das beginnt bei den Rohstoffen, über Teilprodukte (Kathoden zum Beispiel), bis hin zu den fertigen Batterien, deren Einsatz in Fahrzeugen (zum Beispiel E-Sprinter in Ludwigsfelde) und schließlich zum Thema Recycling und Rohstoffwiederaufbereitung. Diese Geschlossenheit des Kreislaufs zeichnet uns aus und verschafft uns im Wettbewerb einen Vorteil. Andere Regionen sind vielleicht traditionelle Autostandorte. Wir sehen aber, wie schnell ein neuer Player den Etablierten den Rang ablaufen kann.

Die Prognos AG hatte im Handelsblatt gesagt, dass in Brandenburg die Autoindustrie neu erfunden wird. Brandenburg werde ein industrieller Shootings-Star. Insbesondere seit der Tesla-Ansiedlung gibt es in der Industrie einen echten Schub. Darauf haben wir eine internationale Standortmarketing-Kampagne aufgesetzt, mit der wir auch auf der Expo Real im Oktober für Brandenburg werben. Denn wir haben wirklich viel Vorzeigbares aufzuweisen und wollen das mit angemessenem Selbstbewusstsein auch nach außen tragen.

Die WFBB unterstützt auch in diesem Jahr den Zukunftspreis Brandenburg. Haben Wettbewerbe wie er auch in schwierigen Zeiten einen Sinn?

Sebastian Saule: Absolut. So ein Wettbewerb ist in schwierigen Zeiten sogar noch wichtiger. Der Zukunftspreis lenkt den Blick nach vorn. Er zeigt viele Unternehmen, die sich den Herausforderungen stellen und die Lösungen entwickeln, die die Zukunftsfähigkeit der brandenburgischen Wirtschaft als Ganzes stärken. Viele ehemalige Gewinner widmen sich den Themen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, nachhaltige Produktion usw. Gerade in rauen Zeiten ist es daher wichtig, diesen Preis auszuloben - um die zu belohnen, die solche Themen angepackt haben und die zu motivieren, die vielleicht noch ein bisschen Anschubhilfe brauchen.


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